Deutsch-Französischer Freundeskreis auf dem Wetterlehrpfad in Schönborn


Nach langen Monaten der Pausen in allen Bereichen, auch im Vereinsleben, freuten sich die Mitglieder des Deutsch-Französischen Freundeskreises, sich bei einer Wanderung wiederzusehen. In einem Jahr, in welchem auch die Geburtstagsfeier zum 30-jährigen Bestehen der Partnerschaft, die in Frankreich mit ganz besonderen Überraschungen gefeiert werden sollte, stimmte die Wanderung auf dem Wetterlehrpfad mit der Picknickpause als geselliges Beisammensein froh.

Den Schönborner Wetterlehrpfad gibt es seit 2017. Friedemann Kurrle und seine Frau Kristiina haben diesen bemerkenswerten Lehrpfad mit viel Begeisterung und Sachkenntnis ins Leben gerufen. Ihr Engagement dafür ist ungebrochen. Umso mehr freuten auch sie sich, dass sie nach längerer Pause, hervorgerufen durch die Corona-Pandemie, wieder einmal einer Gruppe ihre Informationen und die Gedanken zu den einzelnen Stationen vermitteln konnten.

Wetterlehrpfad Schönborn


Vier verschiedene Routen gibt es. Die Freunde der Partnerschaft hatten sich die gelbe Route ausgesucht. Vom Sportplatz in Schönborn aus an Wiesen und Feldern vorbei ging es zu der  ersten Station am Lohrheimer Eck. Hier erläuterte der Wetterexperte auf der Plattform die dort vorhandene zwei Meter breite Panoramatafel. Hügel, Berge, Windräder und Dörfer zeichnen sich gut erkennbar am Horizont ab. Bei schönem Wetter ist auch der etwa 50 Kilometer entfernten Vulkankegel in Laach in der Eifel zu erkennen. Der Wind am Waldesrand konnte mit Hilfe eines Anemometers gemessen werden, was besonders die Kinder beeindruckte.

Die bunte Schar der Wanderer war in zwei Gruppen aufgeteilt, damit es auf der Plattform kein Gedränge gab. Auf die ordentliche Einhaltung der geltenden Regeln wurde Wert gelegt. Die Gruppe zwei – und das ergänzte die Ausführungen zum Wetter bei dieser Wanderung, vermittelte Kristiina Kurrle den Teilnehmern Wahrnehmungsübungen beim Betreten des Waldes. Sie erläuterte das Zusammenleben von Vögeln und Wildtieren im Wald, wie sie zusammenarbeiten und sich gegenseitig helfen, sich sogar gegenseitig warnen. Vögel und Wildtiere verfügten über die Fähigkeit, zwischen Gast und Jäger im Wald zu unterscheiden.

Kristiina Kurrle erläuterte auch, welche Vogelarten welche Bäume aufsuchen und dass es in der Besetzung der Zweige der Bäume Hierarchien gibt.

Auch der Gesang der Vögel sei unterschiedlich. Am Morgen klinge das Gezwitscher noch nach einer Begrüßung, es verändere sich, wenn die Vögel ihr Tagesgeschäft erledigen. „In der Stille“ ging es für die gesamte Gruppe weiter zu Station zwei. Für bewusste Stille im Wald baten sie die Menschen beim Betreten des „Wohnzimmers der Tiere.“

Wanderung DFFK


An Station zwei, an jeder Station warten zwei Schautafeln auf Wanderer und Interessierte,  informierte Friedemann Kurle über den Zustand des Waldes.  Wetterdaten zeichnet der Meteorologe seit 2006 in Schönborn auf. Keine Frage, nicht nur durch die zunehmende Trockenheit, sondern auch durch die Wärme verändere sich der Zustand des Waldes. Die Jahresdurchschnittstemperatur habe sich seit 2006 im Mittel um 0,6 Grad Celsius erhöht. Ein Extremwert seit 2018 zu verzeichnen gewesen mit 10,8 Grad Celsius im Vergleich zu dem langjährigen Mittel von 8,7 Grad Celsius. Die Niederschläge im Referenzzeitraum von 1961 bis 1990 betrugen 750 Liter pro Quadratmeter. 2015 706 l pro Quadratmeter und bis 2020 689 Liter pro Quadratmeter. Unterwegs beim Betrachten eines Baumstumpfes erläuterte Friedemann Kurrle anhand der Jahresringformation die Hauptwindrichtung, die am Baum herrschte. Station drei war das Biotop. Auch hier war deutlich zu sehen, wie weit es ausgetrocknet ist. Anhand der hier vorhandenen Schautafel erklärte er den Aufstrahlungsnebel und die Wolkenbildung über Gewässern und wie man hieraus die Entwicklung des Wetters ableiten kann. An Station vier, dem „Hühnerkippel“, als Ergänzung zum  Aufstrahlungsnebel über Gewässern  über Wald und Wiese und die Wolkenbildung, die sich unter anderem zu Regenwolken bilden können. Von Kristiina Kurrle gab es „Inputs zum Mitnehmen“. Sie nennen es „Sitport“. Zum Staunen und gleichzeitig zum „Herunterkommen“ empfehlen sie, sich im Jahresverlauf an einem Tag der Woche einen Platz im Wald zu suchen, nach Möglichkeit immer den gleichen, sich Zeit zu nehmen und die Veränderungen – wetter- und jahreszeitbedingt – bezogen auf die Tier- und Pflanzenwelt zu beobachten.

Am Rentnerhäuschen war vom Freundeskreis die Vesper vorbereitet. Danach durften diejenigen, die noch wissbegierig und tatendurstig waren, mit Friedemann Kurrle die Station fünf – Gewitter, den Aufbau einer Gewitterwolke – und hier die Verhaltensmaßregeln im Freien erfahren sowie an Station sechs Bemerkenswertes über Niederschläge. Für Überraschung sorgte hier die Erkenntnis, dass keine Schneeflocke – und es fallen Aberbillionen - wie die andere ist.

Pause zur Stärkung DFFK


Insgesamt gibt es zehn Stationen. Die Gruppe war sich einig, mit Familie oder Freunden bei Gelegenheit noch mehr über diesen spannenden Wanderweg zu erfahren.

Das Ehepaar Kurrle steht für Führungen gerne zur Verfügung.  Visionen für die Zukunft gibt es, insbesondere für die Arbeit mit Kindern unter dem Motto „Wetterkundliche Umweltbildung trotz Corona“ und „Was muss ich tun, um auch in 20 Jahren noch gut leben zu können.“ Führungen und Wettercamps planen sie mit dem Thema „Klimaforschung“.

„Wir sind heute so froh und zufrieden, wieder einmal eine Gruppe zu führen“, so Kristiina und Friedemann Kurrle. Der Vorstand des Deutsch-Französischen Freundeskreises dankte dem engagierten Ehepaar und lobte das vorbildliche Verhalten der Gruppe.

 

Uschi Weidner

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