Ein besonderer Abend vor rund 20 Jahren ist Markus Wirth bis heute in Erinnerung geblieben: Damals speiste der Limburger Bauingenieur mit seinem Büro bei einem Rittermahl in der Gaststätte im Katzenelnbogener Schloss. Serviert wurden fantasievoll benannte Gerichte wie „Schippe Dreck“ oder „Burgknochen“ – stilecht gegessen mit bloßen Händen.
Diese Zeiten liegen jedoch lange zurück. Rund 15 Jahre lang befand sich das Schloss, eines der Wahrzeichen Katzenelnbogens, im Dornröschenschlaf. Erst im Juni vergangenen Jahres erwachte es kurzzeitig wieder zum Leben: Beim zweitägigen Schlossgartenfest öffnete sich das sonst geschlossene Areal erstmals wieder für die Öffentlichkeit.
Ein Schloss mit Geschichte – und Zukunft?
Organisiert wurde das Fest vom Verkehrsverein Einrich. Dessen Vorsitzender Harald Gemmer, ehemaliger Bürgermeister der Verbandsgemeinde, begleitet die Entwicklung des Schlosses seit Jahrzehnten. In seiner Blütezeit war das Areal ein beliebter Veranstaltungsort mit Schlossbühne, Kleinkunst und hochkarätigem Kulturprogramm. Selbst Schauspieler Gert Fröbe hielt hier einst eine Lesung.
Die Erkenntnis, dass ein historisches Gebäude nur durch Nutzung im Bewusstsein der Menschen bleibt, motivierte den Verein, Kontakt zu den Eigentümern aufzunehmen.
Unterstützung durch die Eigentümerfamilie
Nach dem Tod des früheren Eigentümers und Gastronomen Gerd Moos ging das Schloss in den Besitz einer Erbengemeinschaft über. Ansprechpartnerin ist heute seine Tochter Julia Bierbaum, die gemeinsam mit ihrem Mann Jörg eine Gaststätte in der Badenburg bei Gießen betreibt – inklusive der bekannten Klassiker „Schippe Dreck“ und „Burgknochen“ auf der Speisekarte.
Das Ehepaar zeigte sich offen für die Initiative des Verkehrsvereins und unterstützte im Frühjahr 2024 auch praktische Arbeiten wie den Rückschnitt der stark gewachsenen Vegetation. Neben zahlreichen Freiwilligen war dafür sogar eine Fachfirma mit schwerem Gerät im Einsatz.
Großes Interesse beim Schlossgartenfest
Trotz wechselhaften Wetters stieß das Schlossgartenfest auf große Resonanz. Viele Besucher erinnerten sich an frühere Zeiten – etwa ein Ehepaar, das vor über 30 Jahren im Schloss geheiratet hatte.
Das Kinder- und Bühnenprogramm gestaltete der Musiker und Veranstalter Matthias Frey, der mit seinem Weltklangfestival regelmäßig kulturelle Akzente in Katzenelnbogen setzt. Aus organisatorischen Gründen trat die Stadt als offizielle Veranstalterin auf.
Fortsetzung geplant
Das erste Schlossgartenfest war damit ein gelungenes Gemeinschaftsprojekt. Auch für 2026 sind weitere Veranstaltungen geplant. „Wir planen derzeit mit drei Terminen“, so Harald Gemmer – Details sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.


